Immer wieder begegnen mir in Gesprächen Begriffe wie Quantenheilung, Quantum-Touch oder Energiearbeit. Manche Menschen haben bereits Erfahrungen damit gemacht, andere sind neugierig oder fragen sich, ob solche Methoden etwas mit Hypnose zu tun haben.
Die Begriffe werden manchmal miteinander vermischt – dabei gibt es wichtige Unterschiede. Vor allem lohnt es sich, drei Dinge voneinander zu trennen:
Was erlebt ein Mensch? Welche Methode wird angewendet? Und wie lässt sich die mögliche Wirkung wissenschaftlich erklären?
Was versteht man unter Quantenheilung?
„Quantenheilung" ist kein einheitlich definiertes therapeutisches Verfahren. Der Begriff wird für verschiedene alternative Methoden verwendet, die sich auf Ideen aus der Quantenphysik beziehen – beispielsweise auf den Beobachtereffekt, Verschränkung, Energie oder Resonanz.
Dahinter steht häufig die Vorstellung, dass Bewusstsein, Gedanken oder eine bestimmte Form von Energie einen direkten Einfluss auf körperliche Prozesse nehmen können.
Das klingt zunächst wissenschaftlich, weil Begriffe aus der Quantenphysik verwendet werden. Genau hier ist jedoch eine wichtige Unterscheidung notwendig:
Dass quantenmechanische Phänomene existieren, bedeutet nicht automatisch, dass sich damit Heilungsprozesse, Bewusstsein oder therapeutische Veränderungen erklären lassen.
Die Quantenphysik beschreibt Vorgänge auf atomarer und subatomarer Ebene sehr erfolgreich. Eine direkte Übertragung dieser Gesetzmässigkeiten auf psychologische oder therapeutische Prozesse beim Menschen ist wissenschaftlich bislang nicht entsprechend belegt.
Was ist Quantum-Touch?
Quantum-Touch ist eine Methode, die Ende der 1990er-Jahre durch Richard Gordon bekannt wurde. Dabei werden unter anderem Atemtechniken, Konzentration, Körperwahrnehmung und Berührung beziehungsweise Handauflegen eingesetzt.
Menschen können während solcher Anwendungen durchaus etwas erleben: beispielsweise Wärme, Entspannung, Ruhe oder Veränderungen ihrer Körperwahrnehmung.
Dieses persönliche Erleben möchte ich nicht infrage stellen.
Eine andere Frage ist jedoch, wie dieses Erleben erklärt wird.
Für die Vorstellung, dass dabei eine besondere „Quantenenergie" übertragen wird und dadurch Heilungsprozesse ausgelöst werden, gibt es bislang keine überzeugende wissenschaftliche Grundlage.
Bedeutet das, dass Menschen sich solche Erfahrungen nur einbilden?
Nein. Das wäre ebenfalls eine zu einfache Schlussfolgerung.
Berührung, Atmung, Aufmerksamkeit, Erwartung, Entspannung und die Beziehung zu einer begleitenden Person können unser Erleben beeinflussen. Auch Stress, Anspannung und körperliche Wahrnehmung stehen in enger Wechselwirkung miteinander.
Ein Mensch kann deshalb eine deutliche Veränderung wahrnehmen, ohne dass damit automatisch die angebotene Erklärung für diese Veränderung bewiesen ist.
Genau diese Unterscheidung finde ich wichtig:
Eine Erfahrung kann für einen Menschen vollkommen real sein – auch wenn die Theorie, mit der sie erklärt wird, wissenschaftlich nicht belegt ist.
Und was ist bei Hypnose anders?
Hypnose benötigt keine Erklärung über Quantenenergie.
In der Hypnose arbeiten wir unter anderem mit fokussierter Aufmerksamkeit, Absorption, Vorstellungskraft, Erwartung und Suggestion. Dabei kann sich verändern, wie Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen wahrgenommen und verarbeitet werden.
Diese Prozesse werden wissenschaftlich untersucht. Forschung beschäftigt sich beispielsweise mit Hypnose im Zusammenhang mit Schmerz, Angst, Stress, medizinischen Eingriffen und anderen Anwendungsgebieten.
Das bedeutet nicht, dass wir bereits jedes Detail darüber verstehen, was während einer Hypnose im Gehirn und im Körper geschieht.
Aber wir müssen dafür keine quantenphysikalische Erklärung annehmen.
Hypnose, Körper und innere Bilder
In meiner Arbeit verwende ich gerne Bilder, Metaphern und Visualisierungen.
Ein inneres Bild kann beispielsweise für Sicherheit, Kraft, Ruhe oder Veränderung stehen. Auch körperliche Prozesse können in einer Hypnose bildhaft dargestellt werden, damit sie für die Person leichter vorstellbar und emotional zugänglich werden.
Dabei ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig:
Eine therapeutische Metapher ist keine naturwissenschaftliche Behauptung.
Wenn wir uns in Hypnose beispielsweise Licht, Wärme, Energie, einen inneren Schalter oder unterstützende Körperprozesse vorstellen, muss dieses Bild nicht wortwörtlich im Körper stattfinden, um therapeutisch sinnvoll eingesetzt werden zu können.
Unser Gehirn reagiert auf Vorstellungen, Erwartungen, Aufmerksamkeit und Bedeutungen. Genau damit können wir in der Hypnose arbeiten.
Quantenheilung oder Hypnose – was ist nun besser?
Für mich ist das nicht die entscheidende Frage.
Menschen können mit sehr unterschiedlichen Methoden positive Erfahrungen machen. Ich möchte deshalb nicht beurteilen, was jemand persönlich als hilfreich empfinden darf.
Entscheidend finde ich vielmehr, transparent zu sein, worauf eine Methode basiert und was wir darüber tatsächlich wissen.
Bei meiner Arbeit mit Hypnose möchte ich deshalb klar unterscheiden zwischen persönlichem Erleben, therapeutischen Metaphern und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Mein Fazit
Begriffe wie „Quanten", „Energie" oder „Frequenz" können faszinierend klingen. Sie machen eine therapeutische Erklärung jedoch nicht automatisch wissenschaftlich.
Gleichzeitig müssen wir subjektive Erfahrungen nicht abwerten, nur weil wir ihren Mechanismus nicht vollständig erklären können.
Für meine Arbeit bedeutet das:
Ich brauche keine Quantenphysik, um die Verbindung zwischen Aufmerksamkeit, Vorstellungskraft, Erwartung, Stressregulation und körperlichem Erleben ernst zu nehmen.
Hypnose bietet dafür einen spannenden und zunehmend erforschten Ansatz – und gleichzeitig genügend Raum für Bilder, Kreativität und die ganz persönliche Wahrnehmung jedes Menschen.
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